Was einen wirklich guten Spieler ausmacht
Für jeden Pokerspieler sind zwei Fähigkeiten ausschlaggebend: Mathematisches Verständnis und soziale Psychologie. Die Mathe wird gebraucht, um für eine gegebene Tisch-Umgebung profitable Spiele auszuwählen. Dabei gibt es einiges zu berücksichtigen:
- die Starthand-Bereiche deiner Gegner (bezüglich ihres Einsatzes/Position/Spielverhalten)
- die Spielstärke deiner eigenen Starthand (Wert)
- deine Position relativ zum Dealer-Button
Die soziale Psychologie ist das Mittel, um deine Gegner zu lesen und ihr Verhalten zu begreifen.
Ein profitables Spiel ist etwas, das den Ertrag vergrössert, wenn es oft wiederholt wird. Dieses Spiel hat somit eine positive Erwartung bezüglich seines Ausgangs und wird deshalb +EV (Expected Value, was bedeutet Erwarteter Wert) genannt. Andernfalls, wenn das Spiel langfristig gesehen nicht profitabel ist, dann wird der Term negative Erwartung oder -EV verwendet. Nachdem ein Spieler sagt, dass sein Shove mit der Hand AK "+EV" war, dann meint er damit, dass die Entscheidung alle Chips in die Mitte zu schieben eine profitabler Spielzug war. Daher schätzt er ab, dass sein Investment einen positiven Return erzielt (zusätzliche Chips gewinnen). Das wird mathematisch durch eine Zahl grösser als 0, für den erwarteten Wert, dargestellt. Ein EV mit der Zahl Null (0EV) bedeutet, dass weder Gewinn noch Verlust antizipiert wird. Andernfalls, angenommen der EV ist -1.20$, dann besagt dies, dass der Call zulasten von 1 Dollar und 20 Cents geht. Jepp, hier verlierst du ein bisschen deines Stacks und nach einem vorangehenden All-In wirst du das Geld in einer später Spielrunde nicht mehr zurückkriegen können (Showdown). Diese Überlegung betrifft nur die nachfolgende Spiel-Runde (normalerweise nur den Flop). Sie wird immer auf lange Sicht gemacht (etwa 100 gleiche Spiel-Situationen, um die Varianz zu verkleinern) und nimmt eine durchschnittliche Betrachtungsweise ein.
Zwar ist absolut wahr, dass der Ausgang eines spezifischen Spiels noch von anderen Faktoren abhängt. Intuition und Glück bei den zufällig gezogenen Karten sind zwei gute Beispiele dafür. Aber trotzdem beschreibt die Mathe, ob dein Spielverhalten die Tendenz hat deine Spielchips zu vermehren oder deinen Stack zu vernichten. Wenn sich ein spielstarker Spieler entscheidet bevorzugt in positive Erwartungs-Spiele zu investieren, so ist sein Vorteil gegenüber einem Gambler immens...
Durch nutzen der Ratschläge von iRuleThem und Erkennen des Wesentlichem, bist du definitiv ein exzellenter Spieler. Das heisst, dass dein Gegner ganz einfach meistens die schlechtere Hand als deine besitzt. Daher ist er aufs Glück beim Kartenziehen angewiesen (z.B. auch den schwächeren Kicker treffen, einen Straight/Flush Draw vervollständigen, eines der beiden verbleibenden Outs für einen stärkeren Drilling antreffen, etc.). Gegen einen solchen Gegner bist du mathematisch im Vorteil, da du es vermeidest alles Geld für die schlechteste Hand zu verschwenden.
Jeder Gegner hat seine eigene Spiel-Strategie entwickelt... Entweder liegt das Gewicht auf einer soliden Spielweise oder aber darauf das Spiel zu geniessen. Wenn jemand den Einsatz erhöht, bleiben die wichtigen Fragen immer dieselben:
- Wie professionell ist/war der Gegner beim Spielen seiner Hände?
- Ist sein Einsatz eher auf den Wert der Hand als auf einen Bluff zurückzuführen?
- Waren seine letzten Einsätze mit Hand-Beispiel am Showdown +EV oder -EV?
- Ist seine Hand Favorit oder schwächer als meine?
Um diese Fragen zu beantworten, ist es wichtig sich an einige seiner Hände am Showdown zu erinnern oder aber einen guten Read (genaue Einschätzung des Gegners, aufgrund seines Verhaltens) zu haben. Darüber hinaus ist auch die Spiel-Geschichte (sein Erfolg) Teil des gesamten Bildes. Es ist immer eine gute Idee die Emotionen und Gefühle deines Gegners zu beschreiben. Wenn jemand sich entscheidet mehr Hände zu spielen ist es wichtig die Gründe dafür zu erfahren:
- Hat er kürzlich Chips gewonnen oder verloren?
- Ist er gestresst oder wirkt sogar geistesabwesend (On Tilt)?
- Wie sicher wirkt er beim Spielen dieser spezifischen Hand?
- Ist er momentan auf einer Glücksträhne und sind seine Hände darum besser als erwartet (Momentum)?
Viele Spieler mit Monster-Händen sind nicht fähig sie genau so zu spielen, wie sie das normalerweise tun würden (Einsatz-Verhalten). Deswegen Vorsicht, wenn jemand sich ungewohnt verhält. Spielzüge, wie das erste Check-Raise von einem Spieler, der strikt für Wert spielt, sollten alarmierend sein.
Ja, Poker ist ein Spiel der Informationen! Es basiert darauf deine involvierten Gegner bezüglich ihrer Spiel-Stärke einzuschätzen und dein Model mit der aufgetretenen Realität zu prüfen. Das Ziel des Profis ist es alle seine Gegner zwischen spielfreudig (Loose) oder vorsichtig (Tight) und Aggressive oder Passive zu klassifizieren.
Wie jemand spielt, ist immer über das Verhältnis der Anzahl gespielter Hände/den Einsatz erhöhender Hände zu derjenigen der insgesamt erhaltener Hände reflektiert.
Die Spielrate oder Spielhäufigkeit sind die Begriffe dieser Division. Dieses Wissen ermöglicht dem Pro zu sagen: "Der hier spielt jeweils ein hohes Paar" oder "Dieser Gegner spielt Hände, die stärker als JT sind".
Es geht darum die Spielstärke des Gegners zu erfassen. Mit anderen Worten ist die Spielstärke das gleiche, wie der von ihm gespielte Starthand-Bereich. Um daraus einen Nutzen zu ziehen, müssen ebenfalls die Eintrittshäufigkeiten solcher spezifischer Starthand-Bereiche bekannt sein. Deshalb kann ein erfahrener Spieler seinen eigenen Spielstil (Häufigkeit) demjenigen des Gegners anpassen, um stärker dazustehen.
Indem er zählt, wie häufig seine Gegner in die Action involviert sind, verbessert sich sine Auffassungsgabe von Spiel zu Spiel. Etwas anderes ist es den notwendigen Einsatz zu suchen, der in den meisten Fällen dazu führt, dass der Gegner sein Blatt niederlegt. Deshalb kann ein Profi sowohl seine guten Karten oder aber einen schwachen Gegner ausspielen (Fold Equity).
Ihm sind seine Chancen und Risiken durchwegs bewusst, weil sein Gehirn mit Statistiken (oder anders ausgedrückt Erfahrungen) seiner gespielten Hände weiterhilft!
Ihm ist bewusst, dass ...
"A2 von erster Spielposition im Heads Up (SB) eine sehr starke und aussichtsreiche Hand ist."
Darüber hinaus weiss er, dass ...
"dieselbe Hand A2 an einem 10-Spieler-Tisch (UTG), ziemlich aussichtslos und darüber hinaus noch hoch gefährlich ist. Er weiss auch einzuschätzen, um wie wenig sich diese Hand tatsächlich verbessern würde, wenn beide Karten des gleichen Typs (suited) sind. Jedoch ist die Chance auf die Nuts mit einem später erhaltenen Flush-Draw nicht zu vernachlässigen. In später Position oder gegen einen spielwütigen Gegner kann sich diese Hand jedoch durchaus lohnen, vorausgesetzt niemand hatte das Spiel zuvor durch einen Wetteinsatz eröffnet."
Für die meisten Pokerspieler gilt, dass es ihre Erfahrung ist, die sie zum langfristigen Gewinner macht. Das Wissen, wie man in Erfahrung bringt, wann die erhaltene Starthand genug stark ist, ist massgeblich für den Erfolg. Wenn die Entscheidung einem "Ja" gleichkommt, dann muss die Hand auch noch richtig gespielt werden. Das wird gemacht in dem der Einsatz erhöht (Raise) oder nur bezahlt (Call) wird. Das Erhöhen des Einsatzes ist für den Schutz der eigenen Hand oder anders formuliert, um Gegner zu eliminieren. (Z.B. muss die Hand 22, gespielt aus mittlerer Position, an einem 10-Spieler-Tisch geschützt aber nicht überbezahlt werden. Das Ziel ist es, nur gegen einen einzigen Gegner anzutreten und dabei im Voraus abzuklären, ob irgendjemand ein stärkeres Pocket Paar hält.)
Das Bezahlen des Einsatzen wird nur dann gebraucht, wenn schon einige Zweifel bezüglich der Perspektive einer Hand bestehen.
Eine benötigte Anforderung die einen guten Spieler ausmacht, ist seine Fähigkeit eine gute Hand zu passen.
Gegen die bestmögliche Hand (Nuts) anzutreten oder einfach nur gegen eine bessere Hand, ist meistens Grund genug zu passen. Deshalb muss die Höhe des Einsatzes der Gegner und ihre Tendenz zum Bluffen und verstecken ihrer Monster-Hände miteinbezogen werden.
Ein Profi versteht, ob ein spezifischer Flop/Turn oder River (Gesellschaftskarten) seine Spielstärke erhöht hat. Pokerspielen und das wesentliche des Spiels bereits mehrfach durchgespielt zu haben, ist die Basis für eine gute Entscheidungsfindung. Er wählt einfach die Situationen, die vermehrt zum Gewinn führen. Um das zu machen, müssen die Eintritts-Wahrscheinlichkeiten von allen 5 Karten-Poker-Händen mit den gegeben Board-Karten bekannt sein. Er muss sämtliche Draws (unfertige Kombinationen) und Hand-Kombinationen erkennen, gegen die er möglicherweise Antreten muss. Wenn er das Top-Paar getroffen hat, verhindert er mit einem Einsatz z.B. in der Höhe des Pots, dass seine Gegner ihr Monsterblatt noch zusammen kriegen.
Für seine zugeteilten verdeckten Karten erkennt er, ob das Board (die offen liegenden Gesellschaftskarten) in Relation zum Einsatz viel versprechend ist (Pot Odds). Einige Spieler nutzen das Zählen der Karten, die das Blatt stärker machen (Outs) mit der 4/2 Regel (wobei 4 als Multiplikator nur dann angewendet wird, wenn eine All-In Situation nach dem Flop auftritt und 2 in jedem anderen Fall). Andere erinnern sich lediglich an die Board Textur (Straight, Paired, Suited, Rainbow, ...) von vergleichbaren vergangenen Situationen. Ihm ist bewusst, dass die zufällig gezogene Community-Karten seine bereits gemachte Hand killen können. Deshalb versucht er, wenn immer möglich, seine Hand vor Draws und Unglückskarten zu schützen.
Zu guter Letzt weiss er über den Einfluss der Position zum Dealer-Button bescheid. Im Besitz des Buttons zu sein, heisst die Situation vor dem Einsatz überblicken zu können. Das ist ein grosser Vorteil, der oft für einen Positions-Bluff ausgenutzt wird. Ihm ist bewusst, dass jemand in der Big Blind Position im Vergleich zu jemandem in erster Spiel-Position (Under The Gun UTG / platziert nach den Blinds) eher schlechtere Karten hat.
Deswegen weiss ein erfahrener Spieler, wann seine Hand in einer Situation Favorit ist. Texas Hold'em Poker ist ein Spiel der Erfahrung, guter Auffassungsgabe (Reading) und der Wahrscheinlichkeiten. Schlussendlich geht es immer darum zu verstehen, was ein spezifischer Einsatz bedeuten könnte, um als Antwort darauf die richtige Entscheidung zu treffen.





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